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Ciclying passion? Ein Interview mit Czeslaw Lang
7 Juli 2016 - Interviews
Ciclying passion? Ein Interview mit Czeslaw Lang

Czeslaw Lang war ein Radprofi während der 1970er und 80er Jahre – er trug das legendäre Del Tongo Colnago Trikot. Seine größten Erfolge feierte er beim Zeitfahren. Die Rennen, an die man sich oft erinnert, waren das Zeitfahren mit seinem Landsman, Lech Piasecki. Zu seinen unvergesslichsten Siegen zählen das Tirreno-Adriatico, Settimana Bergamasca and Trofeo Baracchi.

Czeslaw, wie groß ist deine Leidenschaft für das Radfahren?
“Radfahren ist meine große Liebe. Ich bin über mehr als 20 Jahre gefahren, habe an zwei Olympischen Spielen, zahlreichen Weltmeisterschaften und vielen großen Tours teilgenommen. Dann arbeitete ich als Sportdirektor für das Diana Colnago Team, aber auch für Animex. Und schließlich wurde ich vor 23 Jahren Organisator der Polen-Rundfahrt. Diese Rundfahrt gehört mittlerweile zu einem der wichtigsten Rennen im Kalender der weltweiten Rundfahrten. Wenn ich das alles betrachte, dann kann ich sagen, dass die Liebe fürs Rad die wichtigsten Stationen meines Lebens geprägt haben.”

Was spornt dich heute nach einer Profikarriere an, sogar noch einmal in die Pedale zu treten?
“Vor allen Dingen die Leidenschaft. Wenn du diesen Sport liebst, dann ist es nicht unmöglich, die Mühen auf sich zu nehmen und zu ertragen, die für das Radfahren notwendig sind. Wenn du dein Rad liebst, dann liebst du die Mühen und den Aufwand. Es ist auch eine Sache der Gesundheit: Radfahren ist für alle Altersklassen gesund. Es ist gut für den Körper, die Seele und auch für den Geist. Das Rad bringt dir mehr Begeisterung und Nervenkitzel. Es hilft mir auch beim Nachdenken, Lösungen zu finden als auch neue Ideen und neue Projekte zu entwickeln. Beim Radfahren lässt man seine Probleme hinter sich. Beim Radfahren sieht man die Welt aus einer anderen Perspektive, und das bei ständiger Bewegung.”

Kannst du einige Erinnerungen aus deiner Karriere mit uns teilen?
“Auf jeden Fall! Die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau war ein emotional außergewöhnlicher Moment für mich, sowohl als Radsportler als auch als Vertreter meines Landes. Zudem erinnere ich mich immer wieder gerne an den Sieg beim Trofeo Baracchi im Jahre 1988 zusammen mit Lech Piasecki. Bei diesem Rennen hatten wir zum ersten Mal das nagelneue Zeitfahrrad von Colnago-Ferrari ausprobiert, mit dem wir bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 54 km/h buchstäblich den Asphalt dominierten. Das war ein großartiger Tag!”

Gibt es einen Radfahrer, der dich in deiner Karriere als junger Rennradfahrer inspiriert hat?
“Zweifelsohne! ‘Der Kannibale’ Eddy Merck wegen seines Kampfgeists und seiner Willensstärke, immer gewinnen zu wollen. Ich habe großen Respekt vor ihm und bewundere ihn sehr. Für mich war er ein Vorbild. Er führte und gewann immer bei allen großen Touren, bei den großen Klassikern und den Weltmeisterschaften, ohne dabei zu vergessen, worauf es beim Rennen ankam. Er war ein Fahrer, der in der Lage war, starke Emotionen hervorzurufen und die Massen mitzureißen. Er ist einfach eine Legende, ein wahrhafter Unsterblicher unseres Sports. Die Vergleiche zwischen den verschiedenen Generationen sind niemals einfach, aber ich denke, dass Eddy als einer der stärksten Radfahrer aller Zeiten betrachtet werden kann.”

Wie siehst du den Radsport heute?
“Das Radsport hat großes Potenzial. Er findet nun fast das ganze Jahr über statt, von Norden bis Süden durch die Straßen und rund um die Welt. Aber man muss wissen, wie man dieses Potenzial entwickelt. Dabei muss man die zunehmende Globalisierung betrachten, neue Horizonte vermessen und an einer konstanten Entwicklung arbeiten. Teams, Athleten und die Organisatoren von Rennen und Sponsoren müssen alle zusammenarbeiten und versuchen, sich in dieselbe Richtung zu bewegen. Man braucht junge Menschen und neue Ideen, aber wir müssen auch mehr die Erfahrungen und Einschätzungen von Menschen beachten, die bereits seit Jahren dabei sind. Zusammen mir ihrer Leidenschaft und Professionalität, die sie auf allen Ebenen für diesen Sport an Tag legen, bieten diese Menschen ein großartigen Know-How.”

Welcher Fahrer gefällt dir zurzeit im Profiradsport?
“Es gibt viele, aber Alberto Contador ist ein Champion, der weiß, wie man gewinnt. Aber auch weiß, wie man verliert. In schwierigen Zeiten hat er niemals kapituliert und es gelang ihm immer wieder, aufzustehen. Er fährt das ganze Jahr über Rennen. Dafür kann man ihn bewundern und ihm unglaublich viel zujubeln. Er ist einer, der immer kämpft und er ist auch ein Athlet, der taktisch besonders intelligent ist. Dies sind alles Merkmale, die ihn zu einem kompletten Fahrer und wahren Champion machen.”

Ist es besser eine Etappe einer großen Tour oder ein großes eintägiges Rennen wie die Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele zu gewinnen?
“Dies sind zwei komplett unterschiedliche Realitäten. Beide sind sehr wichtig und bieten einen die Möglichkeit, Teil der Rennsportgeschichte zu werden. Mit dem Sieg einer Etappe wirst du berühmt und von der breiten Öffentlichkeit geliebt. Jeden Tag fährst du durch die Straßen und an den Leuten und Fans vorbei. Vor allen Dingen bei der Tour de France sind es drei Wochen. Und wenn du sogar noch mehr Etappen gewinnst, stehst du permanent im Rampenlicht der Medien. Aber der wesentliche Unterschied ist, dass der Titel bei einer Weltmeisterschaft oder Olympiade prestigeträchtig ist, da ihn sein ganzes Leben lang hat. Sobald man einmal sechs gewonnen hat, wird man immer der Weltmeister oder Olympiasieger bleiben. Das ist die Stärke einer Goldmedaille.”

Letzte Frage welche Bedeutung hatte die Zusammenarbeit mit Ernesto Colnago für dich?
“Ernesto ist ein wahrer Freund. Für mich sogar noch mehr. Er ist wie ein Familienmitglied, der mir so viel gegeben und beigebracht hat. Es ehrt mich sehr, weiter mit ihm zusammenzuarbeiten. Er ist eine Person, die ihr Leben mit großer Leidenschaft der Entwicklung und dem Bau des Rennrads gewidmet hat. Ernesto war und ist immer noch ein großer Erfinder, Lehrer und Gelehrter, aber vor allen Dinge ein Künstler des Rennrads. Ich bin über viele Jahre auf den Rädern von Colnago gefahren. Und selbst heute noch, wenn ich fahre, nehme ich ein Colnago. Nicht nur wegen der Freundschaft, die uns verbindet, sondern auch weil Rennräder von Colnago keine gewöhnlichen Räder sind… Sie haben nämlich eine Seele.”